ADG Campus

    Campus.Führen: Kooperative Wirtschaft trifft Wissenschaft trifft Bundeswehr

    Vierter Workshop des Führungskräfteentwicklungsprogramms Campus.Führen: Führen - Anspruch, Bedarf und Wirklichkeit der Akademie der Genossenschaften (ADG) und der Führungsakademie der Bundeswehr überzeugt durch hochkarätige Vorträge und einen intensiven Austausch über Werte, Führungsverständnis und Kooperation.

    „Wie sieht Führung in der zivilen Welt, insbesondere im genossenschaftlichen Kontext aus? Welche Werte, Normen und Prinzipien einen Führungskräfte der Bundeswehr und der zivilen Welt und welche rahmengebenden Leitlinien lassen sich daraus für das eigene Führungsverständnis ableiten? Warum ist es wertvoll und wichtig, wenn die zivile Welt, die militärische Welt und die politische Welt stärker zusammenwachsen?“ Nachdem die Teilnehmer des Pilotprojekts des Programms Campus.Führen zuletzt eindrucksvoll erleben konnten, wie militärische Führung aussieht, standen Anfang April in Dreieich-Sprendlingen nun Anspruch, Bedarf und Wirklichkeit der zivilen, insbesondere der genossenschaftlichen Führung im Mittelpunkt der Lernreise Campus.Führen. 

    „Unkompliziert ins Gespräch kommen und aufeinander zugehen. Auch im vierten Workshop unserer Lernreise Campus.Führen haben wir nicht nur Materialien und Denkanstöße ausgetauscht – wir haben voneinander partizipiert und sind miteinander gewachsen. Dabei ist ein vertrauensvolles Miteinander und ein gutes Netzwerk entstanden, das in die Tiefe geht und einer familiären Partnerschaft ähnelt“. Nach zwei Tagen intensivem Austausch zeigte sich Dr. Yvonne Zimmermann, Vorstandsvorsitzende der Akademie der Genossenschaften (ADG) mehr als zufrieden.  Gemeinsam mit Brigadegeneral André Abed führte sie durch die zweitägige Veranstaltung, die neben Vorträgen auch vielerlei Praxisbeispiele, Transfer- und Gesprächsmöglichkeiten bot. „Zielformulierungen und systemisches Denken sind der Kern guter Führung – das haben wir auf unserer bisherigen Lernreise gemeinsam erarbeitet. Aber auch Unsicherheiten gehören zum Führen und geführt werden dazu. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass Sie damit leben und es gut meistern werden können. Wir vertrauen Ihnen. Vertrauen Sie sich auch selbst! ‘Einfach machen! ’ lautet die Devise“, ermunterte Abed die Teilnehmer.

    Dr. Yvonne Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der ADG und Brigadegeneral André Abed

    Führung heißt andere groß zu machen, nicht sie klein zu machen

    „Führung heißt andere groß zu machen, nicht sie klein zu machen!“ Frank Bermbach, Vorstandsvorsitzender der Cronbank AG und Vorstand der MHK Group AG stellte nicht nur die Räumlichkeiten für die Lernreise zur Verfügung, eindrucksvoll ließ er auch die Teilnehmer an seinem Führungsverständnis teilhaben. Ein Führungsverständnis, das auf genossenschaftlichen Prinzipien fußt: „Geben Sie Ihren Mitarbeitern mehr Freiheit, unterstützen Sie den Mut und die Offenheit, die Mitarbeiter brauchen, um sich zu entwickeln und sorgen Sie für ein Miteinander – für Respekt und Wertschätzung!“

    In Dialog gehen - Konflikte auflösen - Mediativ Führen

    „Woran scheitern wir im beruflichen Alltag? An Fachkompetenzen oder auf der Beziehungsebene?“ Dr. Christoph Stumm, Leiter des Vorstandsstabs der Akademie der Genossenschaften, gelang es schnell, für seinen Vortrag „Mediatives Führen“ zu begeistern. 43% Fachkompetenzen, 70 bis 80% Beziehungsebene – das Stimmungsbild der Führungskräfte in kooperativen Unternehmen und Organisationen und Bundeswehr spiegelte eindrucksvoll wider, was Stumm zu vermitteln beabsichtigte. „Führung hat eine zentrale Rolle für Erfolg. Dennoch werden in Unternehmen vorwiegend Prozesse und Fragestellungen auf Fachebene optimiert. Machen Sie es anders! Lernen Sie von Mediation Wichtiges für Ihre Führung, gehen Sie in den Dialog und lösen Sie Konflikte!“, forderte Stumm die jungen Führungskräfte auf. Gleichzeitig betonte er, dass Konflikte kein Störfaktor, sondern etwas völlig Normales sind und dass in ihnen letztlich Chancen stecken. So könnten Konflikte und deren Lösung der Ursprung von Veränderung sein, eine Gruppe festigen, Energie freisetzen und die Beziehung der Beteiligten untereinander verbessern. Das Potenzial für Unternehmen sei enorm, wenn Konflikte auf mediative Weise zukunftsorientiert gelöst würden, schließlich seien die Konfliktkosten oft enorm und deswegen handle es sich um eine wesentliche Führungsaufgabe sich darum zu kümmern, so Stumm.

    Die Teilnehmenden am Workshop "Campus.Führen" beschäftigten sich mit Konfliktlösungen, Dialog und Kommunikation.

    Selbstreflexion – Kommunikation – Vertrauen

    „Warum sollte jemand von Ihnen geführt werden? Wie agieren und reagieren Sie selbst als Führungskraft – an guten Tagen und an schlechten Tagen?“ Wie wichtig die Reflexion des eigenen Führungsverhaltens ist, beschrieb Peter Rausch, Vorstandsmitglied der ADG in seinem Impulsvortrag, indem er insbesondere über seine eigenen langjährigen Führungserfahrungen berichtete. „Sie können nicht nicht führen – Sie führen immer! Übernehmen Sie Verantwortung! Auch dafür was passiert, wenn etwas passiert, was nicht passieren sollte und unterstützen Sie, wo es darauf ankommt. Seien Sie Wegbereiter und stärken Sie Menschen“, forderte er die Workshopteilnehmer auf. Als weitere wesentliche Bausteine hob Rausch Kommunikation, Vertrauen, Gemeinschaft und Harmonie hervor. „Mitarbeiter kommen in ein Unternehmen wegen eines guten Images, sie bleiben wegen einer interessanten Tätigkeit, bei der sie selbstbestimmt arbeiten können und wegen eines angenehmen Arbeitsumfelds und sie gehen zumeist wegen der Führungskraft. Sorgen Sie dafür - basierend auf Vertrauen, Freiheit und Verantwortung - dass Ihre Mitarbeiter dazu lernen, wachsen und sich entwickeln können. Das ist ein guter Deal für alle!“, betonte Rausch.

     Netzwerk – Partner - Familie 

    „Genossenschaften sind eine Gemeinschaft, Menschen, die sich kennen, die einander behüten, die einen gemeinsamen Wert haben. Der genossenschaftliche Gedanke ist das einzige Weltkulturerbe, das auf Werten basiert! Es ist sinnvoll, so zusammen zu arbeiten.“ Gleich zu Beginn seines Impulsvortrags „Netzwerk-Partner-Familie“ betonte Günther Althaus seine Wertschätzung für Kooperatives Wirtschaften und gestand zugleich ein, dass er die Bundeswehr zunächst anders eingeschätzt hätte: „Genossenschaftliche Wirtschaft und Bundeswehr – das ist eine spannende Konstellation. Nicht nur bei Themen wie Kameradschaft und Disziplin, auch in Sachen Führung können Unternehmen von Ihnen lernen!“ 

    Aus seiner vielfältigen und langjährigen persönlichen Führungserfahrung, unter anderem als Geschäftsführer der DZB Bank und als Präsident des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands e. V. (DGRV), legte Althaus dem Plenum vor allem den Wert “Partnerschaft” ans Herz. „Ihre wichtigste Aufgabe ist Partnerschaft. Das ist die Voraussetzung, um Entscheidungen zu treffen und erfolgreich zu sein. Als Führungskraft müssen Sie das Team zusammen zu halten. Sorgen Sie für eine Basis positiver stabiler Beziehungen und ein gutes Miteinander. Nehmen Sie das Team mit, dann werden Sie erfolgreich sein. Partnerschaft ist der bessere Weg zum Erfolg. Das muss in der Wirtschaft noch ankommen!“ Weitere wichtige Bausteine erfolgreicher Führung sind in seinem Führungsverständnis Klarheit, Reflexion, Abstraktionsfähigkeit, Verantwortung, Fokussierung und Respekt. Darüber hinaus betonte er die Wichtigkeit, Netzwerke zu knüpfen und diese nicht als Adressen, sondern als Beziehungen zu wertvollen Menschen zu verstehen. 


    Werteorientierte Ökonomik – Führungsverhalten bewegen

    „Ich war überrascht, zu erfahren, dass es in der Wirtschaft nicht immer nur um mehr Gewinne geht, sondern dass die Ziele der Genossenschaften und kooperativen Unternehmen anders sind. Dass es um das Wohl aller geht – auch um die Gesellschaft an sich und dass Genossenschaften und kooperierende Unternehmen sich stark machen für eine werteorientierte Ökonomik“, „Wir wollen und können unser Führungsverhalten bewegen“, „Mir war nicht bewusst, dass in der Wirtschaft Führung oft nur nebenherläuft – in der Bundeswehr ist das eine eindeutige und wichtige Aufgabe. An der Stelle kann die Wirtschaft viel von uns lernen. Das macht mich irgendwie auch stolz.“ Es sind Aussagen wie diese, die am zweiten Workshoptag in einer ersten, angeleiteten Reflexionsrunde zu hören sind. Aussagen, die neugierig machen auf die Ergebnisse der Lernreise, die von den Teilnehmern selbst im Rahmen einer Veranstaltung am 10. Mai 2022 auf Schloss Montabaur präsentiert werden. 

    Systemisch Denken – Gemeinsamkeiten entdecken – voneinander partizipieren

    „Genossenschaften und Militär haben Gemeinsamkeiten und einen gesellschaftlichen Auftrag. Ein Austausch zwischen ihnen ist absolut wünschenswert und wertvoll für die einzelnen Führungskräfte, für deren Teams, für deren Organisationen und für die Gesellschaft als Ganzes!“ resümierte Zimmermann am Ende der Veranstaltung und zeigte sich zufrieden mit dem neuen Format. „Die ADG steht für wirksame Qualifizierungsmaßnahmen, die Wissen, Praxismodule und Transferbegleitung verbinden, um ihren Teilnehmern Raum zu geben für eigenverantwortliches und initiatives Gestalten. Der vierte Teil unserer Workshopreihe hat gezeigt, wie wertvoll dieser Ansatz ist.“ Auch Brigadegeneral Abed zeigte sich beeindruckt: „Wir haben beim vierten Workshop Impulse und Denkanstöße in den Bereichen Mediation und Konfliktmanagement erhalten. Gleichzeitig haben wir uns über aktuelle Herausforderungen an Führungskräfte, über Führen und führen können ausgetauscht und uns den Themenbereichen Generalisten und Spezialisten sowie Systemisches Denken versus Fachspezifischem Denken gestellt. Dabei haben wir wertvolle Erkenntnisse gesammelt, die am Puls der Zeit sind. Es ist wichtig, sich diesen Themen in Kooperation zu stellen und Antworten auf die Frage zu finden: Was wird zukünftig notwendig sein?“

     

    Campus.Führen: Voneinander lernen – Austauschen – Vernetzen

    Voneinander lernen, miteinander agieren, Synergien finden, auf neue Denkweisen einlassen und gemeinsam weiterentwickeln. Das Kooperationsprojekt der Bundeswehr und der Akademie der Genossenschaften bietet zehn Führungskräften der zivilen genossenschaftlichen/kooperativen Welt und zehn Führungskräften der Bundeswehr im Rahmen einer Lernreise nicht nur die Möglichkeiten des Austausches über Werte, Normen und Prinzipien in den Themenfeldern Führung, Leadership und Management, sondern es setzt bewusst neue Formen des Lernens ein. „Wir wollen im Rahmen von Campus.Führen nicht nur erreichen, dass die Teilnehmer beider Welten methodische Kompetenzen, digitale Kompetenzen und Führungskompetenzen erhalten – wir möchten die jungen Führungskräfte auch dazu befähigen, neue, auch komplexe Fragen zu stellen und diese Fragestellungen in Kooperation zu lösen. Dabei bietet die Lernreise Campus.Führen die Chance, Potenziale zusammenzuführen, voneinander zu lernen und dabei die eigene Führung und das eigene Führungsverständnis zu hinterfragen und weiterzuentwickeln“, beschreibt Dr. Yvonne Zimmermann, Vorstandsvorsitzende der ADG, den Anspruch an das Format. 

     Wirtschaft trifft Bundeswehr trifft Wissenschaft

    Die Lernreise Campus.Führen wird durch das Forschungsinstitut ADG Scientific der ADG begleitet. Zweck der Studie ist es, Perspektivendifferenzen und normative Muster aktuellen Führungsverständnisses zu ermitteln – und dies sowohl aus Sicht der Bundeswehr als auch aus genossenschaftlicher Sicht. Gleichzeitig soll eruiert werden, ob sich das Führungsverständnis bei den Teilnehmenden über den Zeitraum der Workshops verändert.