ADG Business School

    "Unser Profil schärfen"  Interview mit Dr. Guido Pfeifer

    von Antonio De Mitri

    Die ADG Business School an der Steinbeis­Hochschule in Montabaur ist jetzt anerkannter Hochschulstandort. Wir sprachen mit ihrem Geschäftsführer Dr. Guido Pfeifer darüber, welche Vorteile sich daraus ergeben.

    Herr Dr. Pfeifer, was bedeutet es für die Business School, jetzt als Hochschulstandort firmieren zu dürfen?  
    Das ist für uns ein großer Schritt nach vorne. Damit wird der Dreiklang des Angebots aus  Akademie, Forschungsinstitut und Hochschule in seiner Bedeutung unter- strichen.  

    Ist das nicht nur ein schönes Etikett?  
    Nein, der Begriff macht nach außen klar, dass wir staatlich als Hochschulstandort anerkannt sind. Dies ist nur durch unsere Partnerschaft zur Steinbeis-Hochschule möglich.  

    Wie gestaltet sich diese Partnerschaft konkret?  
    Die ADG hält 48 Prozent, die Steinbeis-Hochschule 52 Prozent an der Business School. Dennoch sind beide Partner gleichberechtigt. Die wirtschaftliche Verantwortung sowie die Positionierung liegen allerdings einzig bei der ADG beziehungsweise der ADG Business School GmbH – somit kann diese ganz im Sinne des genossenschaftlichen Wirtschaftsverständnisses geprägt werden. Die hochschulrechtlichen Anforderungen werden durch die Steinbeis-Hochschule sichergestellt – somit sind wir an deren Studien- und Prüfungsordnung gebunden und gehören als eine von zwei Schools zur Fakultät Business and Economics. Deshalb ist es uns auch wichtig, dass wir nicht nur von der ADG  Business School sprechen, sondern auch die Steinbeis-Hochschule offiziell im Namen führen.  

    Welche Vorteile bringt das für den Standort?  
    Viele Menschen in der genossenschaftlichen Welt meinen noch immer, dass es keine akademische Ausbildung aus einem Guss gäbe. Viele Banker beispielsweise gehen deshalb zu unseren Wettbewerbern, und dass, obwohl die ADG Business School an der Steinbeis-Hochschule den ersten Platz des  StudyCHECK Awards 2020 als „beliebteste Hochschule in Deutschland“ erhalten hat.Das ist für uns ein  noch größerer Ansporn, unsere Bekanntheit und Relevanz im Markt weiter zu steigern. Aber: Montabaur als Hochschulstandort ist ein starkes Signal an die Genossenschaften und kooperativen Unternehmen. Sie finden hier einen akademischen Anbieter vor, der auf den genossenschaftlichen Werten und Prinzipien fußt. Damit haben wir ein exzellentes Alleinstellungsmerkmal im gesamten deutschsprachigen Raum.  

    Werden sich auch die Lehrinhalte verändern?  
    Auf jeden Fall, wobei unsere Anerkennung als Hochschulstandort nicht der eigentliche Auslöser hierfür ist, unsere Pläne aber natürlich befeuert. Heute kommen 70 Prozent unserer Studierenden aus der Bankenwelt, der Rest verteilt sich auf Handel, Ware sowie Industrie und Dienstleistung. Das Berufsbild des Bankers verändert sich drastisch. Wir bieten den Instituten die Möglichkeit, diese Veränderungen akademisch zu fundieren, zum Beispiel mit den Bachelor-Studiengängen Management & Digital Innovation und General Management, die wir heute schon anbieten.    

    Wird es also weniger Banking­Inhalte geben?  
    Lassen Sie mich das so formulieren: immer weniger Inhalte, die sich auf klassisches Banking beziehen, und immer mehr Inhalte, die für Banker und Unternehmer in Zukunft unerlässlich sind. Wir werden verstärkt die Megatrends abbilden, also Themen wie Transformation, Innovation, Change, Digitalisierung – und das immer mit dem Fokus auf kooperativen Werten und einem förderwirtschaftlichen Wirtschaftsverständnis. Dazu gehören auch Themen wie gesamtsoziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Innovation.  

    Das heißt, Sie setzen auf mehr Studierende aus dem nicht­genossenschaftlichen Bankenumfeld?  
    Das ist unser Ziel. Dazu müssen wir unser Profil schärfen, damit die „Nicht-Genossen“, wenn ich sie mal so nennen darf, sofort verstehen, worum es geht. Viele winken direkt ab, wenn sie den Begriff Genossenschaften in unserem Namen sehen, weil sie in Unternehmen mit anderen Rechtsformen arbeiten. Im Übrigen ist die Business School bereits heute für den Drittmarkt geöffnet – etwa für die Kunden unserer Bankkunden. 

    In welcher Weise wollen Sie das Profil denn schärfen?  
    Indem wir verdeutlichen, dass unsere Lehre sich mit einem förderwirtschaftlichen Ökonomieverständnis identifiziert. So akademisch werden wir das nach außen hin nicht formulieren. Aber ich denke, dass viele potenzielle Studierende darauf anspringen werden, wenn wir ihnen sagen: Du erwirbst bei uns einen hoch qualifizierenden Abschluss zu einem zukunftsorientierten Megatrend-Thema und bekommst zugleich Modelle an die Hand, die eine nachhaltige Alternative zum ökonomietheoretischen, gewinnorientierten Mainstream darstellen. Diese Kombination bietet einen klaren Karrierevorteil, weil sie Know-how beinhaltet, das nur wenige besitzen und das in den kommenden Jahren immer stärker gefragt sein wird.  

    Warum sollte das so sein?  
    Die Zeit des unreflektierten Shareholder-Value-Denkens läuft derzeit spürbar aus. Themen wie Nachhaltigkeit haben die Öko-Ecke längst verlassen. Denken wir nur an Blackrock. Der größte Vermögensverwalter der Welt gründet eine eigene Stiftung hierfür und warnt, dass Unternehmen ohne glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie künftig aus den entscheidenden Anlageportfolios gestrichen werden. Das muss man sich mal vorstellen! Oder nehmen Sie die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der UN. Es gibt immer mehr Beispiele dafür, dass eine Ökonomie ohne Werteorientierung in Zukunft chancenlos sein wird. Beides zu kombinieren, ist somit die „DNA“ des genossenschaftlichen, kooperativen Denkens und Handelns.